Trägt man den Bitcoin-Kurs auf einer doppelt-logarithmischen Skala gegen die Zeit seit dem Genesis-Block (3. Januar 2009) auf, liegt er seit über 15 Jahren erstaunlich nah an einer Geraden. Eine Gerade im Log-Log-Diagramm bedeutet: Der Kurs wächst nach einem Potenzgesetz (engl. Power Law) — nicht exponentiell, sondern mit der Zeit abflachend, aber stetig. Formel: Kurs ≈ 1,0117·10⁻¹⁷ × d5,82, wobei d die Anzahl Tage seit dem Genesis-Block ist. Die gängige Erklärung: Bitcoin wächst wie ein Netzwerk — mehr Nutzer machen das Netzwerk wertvoller, der höhere Wert zieht neue Nutzer an. Solche Rückkopplungen erzeugen in vielen Systemen Potenzgesetze. Popularisiert wurde das Modell vom Physiker Giovanni Santostasi.
Trendlinie (weiß gestrichelt): der „faire Wert" laut Modell. Der Kurs pendelt
in Zyklen um diese Linie — mal weit darüber (Bullenmarkt-Euphorie), mal deutlich darunter (Bärenmarkt).
Support (rot gestrichelt): Trend × 0,42 — die untere Korridorgrenze. Kein
Bärenmarkt-Boden hat sie bisher nachhaltig unterschritten; der Boden im November 2022 lag exakt darauf.
Korridor (schattierte Zone): der Bereich zwischen Support und Trend.
Nach oben gibt es bewusst keine Linie: Die Zyklus-Spitzen fallen von Zyklus zu
Zyklus näher an den Trend heran (2017: 6,8× · 2021: 2,9× · 2025: 1,2× Trend) — eine feste
„Resistance-Linie" wäre Kaffeesatzleserei.
Wichtig: Die Trendlinie ist die Mitte des Modells, keine Obergrenze. Auch wenn die schattierte Zone optisch am Trend endet — der Kurs kann und konnte historisch weit darüber laufen (2017 stand er beim fast Siebenfachen). Deshalb kann die Korridor-Position auch über 100 % steigen. Allerdings: Da die Zyklus-Tops immer näher an den Trend heranrücken, wirkt die Trendlinie faktisch immer mehr wie das obere Ende. Hält diese Konvergenz an, wäre das ein Zeichen für abnehmende Volatilität — Bitcoin reift, die Euphorie-Ausschläge sterben aus.
Abweichung vom Trend: wie weit der Kurs über (+) oder unter (−) dem fairen
Modellwert liegt.
Korridor-Position: 0 % = Kurs sitzt auf dem Support, 100 % = Kurs auf der
Trendlinie, über 100 % = Kurs über Trend.
unter 0 % = Korridor gebrochen · 0–15 % = am Support, historische Kaufzone ·
15–60 % = unterer Korridor · 60–100 % = nahe Trend, fair bewertet · über 100 % = Euphorie-Zone
Das Power Law ist eine statistische Beobachtung, kein Naturgesetz. Es beschreibt die Vergangenheit gut — eine Garantie für die Zukunft ist das nicht. Der Exponent hängt vom Datenfenster ab (neuere Schätzungen liegen eher bei ~5,7 als 5,82), und ein nachhaltiger Bruch des Supports würde schlicht bedeuten: Das Modell war falsch — nicht, dass der Kurs „zurückkommen muss". Außerdem steigt die Support-Linie selbst (aktuell rund +38 % pro Jahr): Läuft der Kurs nur lange genug seitwärts, holt der Support ihn ein. Nutze das Modell als Landkarte für die Einordnung — nicht als Versprechen. Keine Finanzberatung. Denke selbst.